Nachtrag: Demonstration zum Tag der Befreiung in Witten am 8. Mai 2012

Die Demonstration zum Tag der Befreiung, die wir gemeinsam mit dem Antifabündnis Witten und dem Trotz Allem organisiert und durchgeführt haben, hat erfolgreich stattfinden können. Zwischen 50 und 100 Personen nahmen an der Demo, die durch die gut besuchte Wittener Innenstadt lief, teil. Durch thematisch passende Parolen, Lautsprecherdurchsagen und Redebeiträgen wurden Passant_innen und Anwohner_innen auf das Anliegen der Demonstration hingewiesen. Für gute Stimmung sorgte neben der Musik vom Lauti auch eine extra angereiste Trommelgruppe.
Die lokale Presse berichtete:
http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/witten/Antifa-gedenkt-Kriegsende-mit-Marsch-durch-die-Stadt;art939,1639899
http://www.derwesten.de/staedte/witten/mit-trommeln-und-fahnen-id6637065.html
Den Redebeitrag der KIWi (der in Teilen angelehnt an die Rede des letzten Jahres ist) wollen wir an dieser Stelle nochmal dokumentieren, da er auf der Demonstration bei Teilnehmer_innen aus dem Spektrum der Wittener Linkspartei, die es sich nicht nehmen lassen wollten, mit Partei-Fahne aufzulaufen, auf der Demonstration für Ärger sorgte. Auch wenn wir von Menschen, die uns während unseres Redebeitrags als „Kriegstreiber“ (ein Klassiker!) beleidigen, nicht mehr erwarten, dass die Bereitschaft besteht, sich mit unseren Positionen und den eigenen Ansichten kritisch auseinanderzusetzen, stellen wir uns gerne sachlicher Kritik (gern auch schriftlich geäußert):

Rede der Kritischen Intervention Witten (KIWi) anlässlich des 67. Jahrestages der Befreiung
Liebe Genoss_innen! Liebe Passant_innen! Liebe Anwohner_innen!
„Der achte Mai steht für die erfolgreiche Zerschlagung des National-Sozialismus und das Ende des von Nazi-Deutschland entfachten zweiten Weltkrieges durch die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 und den damit einhergehenden Sieg über die mörderische deutsche Volksgemeinschaft durch die alliierten Kampfverbände.“ (Redebeitrag 2011)
An diesen Tag zu erinnern und den Sieg der Alliierten zu würdigen ist richtig und wichtig. Uns geht es heute jedoch auch darum aufzuzeigen, wie wenig erfolgreich die deutsche Gesellschaft nach dem Ende des Nationalsozialismus entnazifiziert wurde. Das Weiterbestehen regressiver Ideologie lässt sich auch heute noch erkennen und ist nicht schwer nachzuweisen.
Neonazistische Terrorzellen können in Deutschland unbehelligt neun Menschen umbringen, ohne dabei überhaupt in den Fokus der Behörden zu geraten und werden dabei von den Geheimdiensten gedeckt. Die Medien sprechen derweil von „Döner Morden“, die spätere Aufklärung verläuft entgegen aller Bekräftigungen seitens Polizei, Justiz und Politik nicht nur schleppend, es wird anscheinend auch getäuscht, vertuscht und verschwiegen. Wen wundert es auch, bei Geheimdiensten, die von ehemaligen Nazi-Funktionären aufgebaut wurden. Von SS, Gestapo und co. war es für viele nur ein kleiner Karriereschritt zu Verfassungsschutz und Bundesnachrichtendienst.
Gleichzeitig erklärt ein sog. Links-Intellektueller und Ex-SS-Nazi, wer Schuld ist am nicht vorhandenen Weltfrieden, verhöhnt die Opfer des radikal-islamischen Folter-Regimes im Iran und bezichtigt den jüdischen Staat Israel der Kriegstreiberei, wo dieser deutlich macht, einen weiteren Genozid an den Juden nicht zuzulassen. Dass viele Deutsche am Grass Gedicht keinen Antisemitismus erkennen können und wollen, dem Autor sogar Recht geben, und dass die meisten Medien Grass widersprechen, nur um dann jedoch dem Antisemitismus des alten Mannes ihre angeblich bessere Israelkritik gegenüber zustellen, auch das sollte nicht vergessen werden.
Keines der vielen weiteren Beispiele der rassistischen, antisemitischen, sozialchauvinistischen, homophoben und sexistischen deutschen Realität darf unbeachtet bleiben, ist einem an der Kritik und der Überwindung der Verhältnisse gelegen.
Was deutsche Politik in Europa bedeutet, zeigt sich am hegemonialen Einfluss der Bundesrepublik innerhalb der EU. Das Spardiktat gegen Griechenland, das die Souveränität des griechischen Staates beeinträchtigt und große Teile der Bevölkerung empfindlich trifft, ist nur ein Beispiel. Die Durchsetzung von Gesetzen wie den sog. Dublin Abkommen und die damit einhergehende Abschottung europäischer Grenzen, die Repressionen gegen Asyl-Suchende und die Verschlechterung der Situation der Flüchtlinge in und vor der Festung Europa ein weiteres. Der Heimatfront kann sich die aggressive deutsche Wirtschafts- und Außenpolitik dabei sicher sein: Während die Prekarisierung breiter Bevölkerungsschichten Griechenlands Realität wird, berichtet die deutsche Presse von den Pleite-Griechen und über faule Südländer. Und während regelmäßig Menschen aus Deutschland und der EU abgeschoben werden, weiß die Presse von Asylbetrug und Ausländerkriminalität zu berichten.
Wir bleiben also dabei:
„Jede reaktionären Idee, ob sie aus der Mitte der Gesellschaft oder den bekennenden Rechten und Faschisten kommt, muss weiterhin unter dem Motto „mit allen Mitteln und auf allen Ebenen“ bekämpft werden.
Die herrschenden Verhältnisse, die Ideologien wie Nationalismus, Rassismus und Antisemitismus immer wieder hervorbringen, müssen als Ursache erkannt, kritisiert und bekämpft werden, um den Übergang in eine bessere, in eine befreite Gesellschaft, überhaupt erst möglich zu machen.
In diesem Sinne danken wir am heutigen Tag ausdrücklich den westlichen Alliierten und der Roten Armee und allen Widerstand leistenden Gruppen, die sich der nationalsozialistischen Barbarei entgegensetzten und so die Tyrannei beendeten.
Achter Mai: Wer nicht feiert, hat verloren!
Nie wieder Volksgemeinschaft. Nie wieder Faschismus.“ (Redebeitrag 2011)
Nie wieder Deutschland!